Der Welttag des Theaters für Kinder und Jugendliche wird weltweit am 20. März jeden Jahres gefeiert.
Die ASSITEJ nutzt diesen Tag, um auf die große kulturpolitische Bedeutung dieses Theaters und seinen Beitrag zur kulturellen Bildung hinzuweisen. Alle Theater in der ASSITEJ waren aufgefordert, am 20. März 2012 besondere Aktionen in ihrern Häusern durchzuführen.
Die Präsidentin der ASSITEJ International, Yvette Hardie aus Südafrika, die kanadische Theaterkünstlerin Suzanne Lebeau und unser Vorstandsmitglied Stefan Fischer-Fels, Leiter des GRIPS Theaters in Berlin, betonen in ihren Statements zum Welttag des Kinder- und Jugendtheaters 2012 die Bedeutung des Theaters für ein junges Publikum. Ihre Statements und Grüße finden Sie unten auf dieser Seite.
Informationen zu den Aktivitäten weltweit finden Sie unter www.assitej-international.org
Die ASSITEJ nutzt diesen Tag, um auf die große kulturpolitische Bedeutung dieses Theaters und seinen Beitrag zur kulturellen Bildung hinzuweisen. Alle Theater in der ASSITEJ waren aufgefordert, am 20. März 2012 besondere Aktionen in ihrern Häusern durchzuführen.
Die Präsidentin der ASSITEJ International, Yvette Hardie aus Südafrika, die kanadische Theaterkünstlerin Suzanne Lebeau und unser Vorstandsmitglied Stefan Fischer-Fels, Leiter des GRIPS Theaters in Berlin, betonen in ihren Statements zum Welttag des Kinder- und Jugendtheaters 2012 die Bedeutung des Theaters für ein junges Publikum. Ihre Statements und Grüße finden Sie unten auf dieser Seite.
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WELTTAG DES THEATERS FÜR KINDER UND JUGENDLICHE
20. März 2012
Brief der Präsidentin der ASSITEJ International
Theater ist offen für alle, aber es erreicht nicht jeden. Oft erreicht es die Erwachsenen nicht, weil sie als Kind nicht die Gelegenheit hatten, sich für Theater zu begeistern. Und oft erreicht es die Kinder nicht, weil die Erwachsenen, die den Rahmen setzen, in welchem die Kinder leben, lernen und aufwachsen, nie erreicht wurden und deshalb keine Notwendigkeit darin sehen. Es erreicht die Kinder nicht, weil die Erwachsenen andere Prioritäten haben oder weil es große Hindernisse hinsichtlich der Erreichbarkeit, des Zugangs, der Finanzierung und letztendlich des Bewusstseins dafür gibt.
Aufgrund seines sehr eigenen und spezifischen Wesens – dem Augenblick, in dem etwas live stattfindet, der Interaktion, dem kostbaren Zeitraum, in dem die Künstlerinnen und Künstler die einzigartige Möglichkeit haben, Herz, Kopf, Ohren und Augen aller Anwesenden direkt anzusprechen – ist das Theater allein räumlich in seiner Fähigkeit begrenzt, jedes Kind und jeden Jugendlichen zu erreichen. Sobald jedoch ein Publikum präsent ist, ist das Theater gänzlich unbegrenzt in seinen kommunikativen Möglichkeiten, das Wesentliche, das Mysteriöse, das Bestehende und das Mögliche zu verhandeln. Das ist der Grund, warum wir als Künstlerinnen und Künstler so aufmerksam unserer Arbeit gegenüber sein müssen, um sicher zu gehen, dass die Zuschauenden in jeder Berührung mit dem Theater die Möglichkeit haben, neugierig, fasziniert und verzaubert zu werden – und sie sich vielleicht sogar für das Theater als Ort der Begegnung begeistern.
Für die nächsten drei Jahre bitten wir alle ASSITEJ-Mitglieder, unserem Aufruf „Take A Child to the Theatre Today“ eine gemeinsame Stimme zu geben. Dieser Aufruf folgt dem Ziel der ASSITEJ, jedem Kind und jedem Jugendlichen den Zugang zu Theater zu garantieren. Aber wir können dies nicht alleine schultern. Wir haben uns zu diesem Aufruf entschieden, weil wir erkannt haben, dass wir diejenigen erreichen müssen, die die Möglichkeit haben, es zu garantieren, dass Kinder und Jugendliche die Erfahrung einer theatralen Begegnung machen können. Wir fordern die politisch Verantwortlichen, Führungsetagen großer Konzerne und kleiner Betriebe, Eltern, Verwandte und alle anderen auf, unserem Aufruf zu folgen. Wir bitten alle ASSITEJ-Zentren und Mitglieder, aktiv und kreativ daran zu mitzuwirken, die Unterstützung all dieser Menschen zu gewinnen.
„Take a Child to the Theatre Today“ sagen wir vor allem am 20. März, dem Welttag des Kinder- und Jugendtheaters. Wir hoffen aber, dass dieser Aufruf an jedem weiteren Tag des Jahres eine ebenso starke Wirkung verbreitet, so dass überall jedes Kind und jeder Jugendliche die Möglichkeit hat, sich für das Theater zu begeistern.
- YVETTE HARDIE
Botschaft zum Welttag des Theaters für Kinder und Jugendliche von Suzanne Lebeau
Liebe Freunde,
ich liebe das Theater.
Ich liebe den Zauber dieser Kunst, wo wir alle zusammen sind
im selben Raum, und dennoch einmalig…
Jeder hat seine Geschichte,
barfuß oder in Luxussandalen,
an den kalten Polen oder in der Hitze der Tropen.
Jeder nach seiner Stimmung,
seiner Familie, seinem Geschmack, der Farbe seiner Haut, seinen Problemen, seinen Träumen.
Ich habe das Theater noch mehr geliebt
als die Schauspielerin, die ich war, dem jungen Publikum begegnete.
I habe verstanden, wie fein die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind.
Wer sagt die Wahrheit, wenn es die Wahrheit überhaupt gibt?
Wer lügt?
Wer spricht besser und zärtlicher von Mensch zu Mensch…
Wirklichkeit oder Fiktion?
Die Versuchung ist groß, zu glauben, dass die Wirklichkeit die Wahrheit ist
und dass Fiktion Lüge ist.
Warum würde eine Ohrfeige,
ein einfacher Schlag auf der Bühne, mich so durcheinander bringen
letztens
während
ich gestern, völlig unberührt, Live-Bilder eines Krieges im Fernsehen gesehen habe
die mir sagen, dass es morgen eine noch größere Katastrophe geben wird
ernster
angespannter
Warum?
Die Frage ist fantastisch – und unerschöpflich
Es ist das Geheimnis, das das Theater so wertvoll macht und selten.
Ihr alle, die Ihr da sitzt- und wartet, dass das Licht angeht …
Sagt mir, wo ist die Wahrheit, wenn es sie gibt?
Sagt mir, wo sind die Lügen, wenn es sie gibt?
Mit den besten Wünschen
Suzanne Lebeau
Informationen zu Suzanne Lebeau: Geboren und aufgewachsen im französischsprachigen Kanada. Arbeitete als Schauspielerin und Autorin, bevor sie 1975 zusammen mit Gervais Gaudreault das Theater Le Carrousel in Montreal gründete, dessen künstlerische Leiterin sie bis heute ist. Sie hat zahlreiche Stücke für Kinder und Jugendliche geschrieben und wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Prix Francophonie Jeunesse und für DAS GERÄUSCH KNACKENDER KNOCHEN mit dem Prix des Journées de Lyon des auteurs.
Quelle: http://www.pegasus-agency.de/verlag/autor/Suzanne%20Lebeau
ich liebe das Theater.
Ich liebe den Zauber dieser Kunst, wo wir alle zusammen sind
im selben Raum, und dennoch einmalig…
Jeder hat seine Geschichte,
barfuß oder in Luxussandalen,
an den kalten Polen oder in der Hitze der Tropen.
Jeder nach seiner Stimmung,
seiner Familie, seinem Geschmack, der Farbe seiner Haut, seinen Problemen, seinen Träumen.
Ich habe das Theater noch mehr geliebt
als die Schauspielerin, die ich war, dem jungen Publikum begegnete.
I habe verstanden, wie fein die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind.
Wer sagt die Wahrheit, wenn es die Wahrheit überhaupt gibt?
Wer lügt?
Wer spricht besser und zärtlicher von Mensch zu Mensch…
Wirklichkeit oder Fiktion?
Die Versuchung ist groß, zu glauben, dass die Wirklichkeit die Wahrheit ist
und dass Fiktion Lüge ist.
Warum würde eine Ohrfeige,
ein einfacher Schlag auf der Bühne, mich so durcheinander bringen
letztens
während
ich gestern, völlig unberührt, Live-Bilder eines Krieges im Fernsehen gesehen habe
die mir sagen, dass es morgen eine noch größere Katastrophe geben wird
ernster
angespannter
Warum?
Die Frage ist fantastisch – und unerschöpflich
Es ist das Geheimnis, das das Theater so wertvoll macht und selten.
Ihr alle, die Ihr da sitzt- und wartet, dass das Licht angeht …
Sagt mir, wo ist die Wahrheit, wenn es sie gibt?
Sagt mir, wo sind die Lügen, wenn es sie gibt?
Mit den besten Wünschen
Suzanne Lebeau
Informationen zu Suzanne Lebeau: Geboren und aufgewachsen im französischsprachigen Kanada. Arbeitete als Schauspielerin und Autorin, bevor sie 1975 zusammen mit Gervais Gaudreault das Theater Le Carrousel in Montreal gründete, dessen künstlerische Leiterin sie bis heute ist. Sie hat zahlreiche Stücke für Kinder und Jugendliche geschrieben und wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Prix Francophonie Jeunesse und für DAS GERÄUSCH KNACKENDER KNOCHEN mit dem Prix des Journées de Lyon des auteurs.
Quelle: http://www.pegasus-agency.de/verlag/autor/Suzanne%20Lebeau
Kunst- und Kulturvermittlung braucht Konzepte! Zum Beispiel ein Fach „Kulturelle Bildung“ und einen „Kulturellen Schulrucksack“ von der ersten bis zur zehnten Klasse!
Stefan Fischer-Fels, Leiter des GRIPS Theaters und Vize-Präsident der ASSITEJ (Internationales Vereinigung der Kinder- und Jugendtheater), gibt einen Denkanstoß zum 20.März 2012, dem WELTTAG DES THEATERS FÜR KINDER UND JUGENDLICHE:
"Kinder haben ein Recht auf Kunst und Kultur!" liest man in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. "Doch wenn in Deutschland von Kultur die Rede ist, geht es meist nicht um Kinder. Und wenn von Kindern gesprochen wird, geht es meist nicht um Kultur." (Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik, Universität Hildesheim).
Hamburg führt das Fach „Theater“ als Unterrichtsfach ein. In einigen Bundesländern wird seit Jahren die “Theaterpflicht für Schulen“ diskutiert; von einer „Kulturprämie für Kinder“ statt einer „Abwrackprämie für alte Autos“ war auf einem kulturpolitischen Kongress der Grünen in NRW die Rede; in Norwegen erhält jedes Kind von der ersten bis zur letzten Klasse einen „Kulturellen Schulrucksack“, darin sind Gutscheine für Theater-, Museums-, Tanz- und Opernbesuche – In Düsseldorf, Nürnberg und von Seiten der Landesregierung in NRW gibt es Pilotprojekte zu diesem Thema. In Berlin wird ab sofort das Pilotprojekt GRIPS-FIEBER initiiert, bei dem Sponsoren den Theaterbesuch ALLER ausgewählter Partner-Schulen großzügig und unbürokratisch fördern. Es gibt zahlreiche inspirierende Anregungen und Best-Practice-Beispiele zur Förderung der Theaterkunst für Kinder. Statt einer absurden Diskussion über die Halbierung von Kulturetats brauchen wir verstärkte Bemühungen, Kultur und Bildung zusammenzudenken.
Ein Fach Kulturelle Bildung könnte Kunst-, Musik- und Theaterunterricht zu einer wesentlichen Säule der Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen machen. Selbstverständlich würde damit der „Unterricht am anderen Ort“ massiv befördert, der Besuch von Theatern, Museen und Konzerten als Initialzündung zu einer lebenslangen Liebesbeziehung zur Kultur.
Ein Kultureller Schulrucksack nach dem norwegischen Modell würde für eine Grundversorgung von Kultur von der ersten bis zur letzten Klasse sorgen. Ein Kind, das mindestens 10mal in seiner Schulzeit im Theater, im Museum und im Konzert war, hat mehr als nur kulturelle Kompetenz erworben. Es hat gelernt, die Zeichen der Kunst und die Zeichen der Zeit zu entschlüsseln. Denn auch Zuschauen ist eine Kunst und muss geübt werden! Damit etwas passiert, was Hirnforscher herausgefunden haben, nämlich, dass der in der Zuschaukunst Geübte schon Glücksgefühle ausschüttet, wenn er das Theater betritt, schon vom Theaterfieber ergriffen ist, bevor die erste Szene überhaupt gespielt ist.
Am Welttag des Kinder und Jugendtheaters gilt es, die Kulturpolitik bescheiden darauf hinzuweisen, dass eine abgestimmte Initiative für die Kunstvermittlung und die ästhetische Bildung an unseren Schulen weiter fehlt – trotz zahlreicher gut gemeinter Einzelprojekte. Das größte Abenteuer der Kulturförderung müsste darin bestehen, die professionellen Kinder- und Jugendtheater der Stadt mit ihrem unschätzbaren Erfahrungswissen und ihrer handwerklichen Kompetenz zu „Kulturvermittlern“ auszubauen. Sonst könnte es passieren, dass die Kinder von heute als Entscheidungsträger von morgen aus dem BE eine Shopping-Mal machen und aus der Schaubühne eine Spielhalle. Ca. 20 Prozent der Bevölkerung in Berlin sind Kinder und Jugendliche. Erhalten sie auch 20 Prozent Aufmerksamkeit, 20 Prozent vom Kulturetat?
Am Welttag des Kinder- und Jugendtheater gilt es auch, Eltern, Rektoren, Schulbehörden - und Mathelehrer! – daran zu erinnern, dass es für Schule Aufgaben jenseits von Mathe, Deutsch und Englisch gibt, Aufgaben, die mit Persönlichkeitsbildung durch Kunst und Kultur zu tun haben. Wir brauchen Verbindlichkeit in dieser gemeinsamen Bildungsaufgabe. Die Berliner Schulen müssen in die Lage versetzt werden, regelmäßig und umfassend sich mit Kunst und Kultur auseinandersetzen zu können. Warum nicht – als Einsteig ins Fach „Kulturelle Bildung - eine „Theaterpflicht“ einführen? Ist das weniger sinnvoll als die Pflicht zum Physik-, Biologie- und Sportunterricht?
Kindertheater ist kein süßer Nachtisch, kein Luxus, sondern gehört als Hauptgericht, Vollwertkost und seelisches Nahrungsmittel zur Grundversorgung jedes Kindes, um „innerlich zu wachsen“ (Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie, Göttingen).
Der Verband der Kinderärzte schickt uns zum WELTTAG DES KINDERTHEATER folgende Botschaft:
1. Theater ist gut für eure Gesundheit.
2. Theater wirkt gegen Anregungsarmut und Bildungsverelendung,
3. Theater wirkt ganzheitlich therapeutisch und präventiv.
4. Kinder brauchen Theater wie frische Luft zum Atmen.
Deshalb meinen wir: Alle Kinder sollten regelmäßig an die frische Luft - und sie sollten in den Genuss von Theaterkunst kommen!
Mit dem Projekt „Theater auf Rezept“, bei dem alle Berliner Kinderärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen Kindern einen Vorstellungsbesuch im GRIPS THEATER verschreiben, wenden wir uns an die Familien, und erreichen auch z.B. Migrantenfamilien in Berliner Brennpunkten. Gerade dort wissen die Ärzte genau, wie wichtig hochwertige kulturelle Anregungen für Kinder sind. Die Siemens BKK ist die erste Krankenkasse, die das unterstützt und damit „Kulturheilverfahren“ im Programm hat.
Wir sollten die Kulturelle Bildung nicht allein Coca-Cola und McDonalds überlassen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Zur Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf." Das Dorf sind wir alle! Die Bildungspolitik, die Sozialpolitik, die Kulturpolitik, die Stadtplanung, die kinderfreundlichen Architekten, die Journalisten und viele andere mehr. Eine Fach Kulturelle Bildung und ein Kultureller Schulrucksack würde die Kulturvermittlungsbemühungen erheblich stärken, auch und gerade in der HAUPTSTADT DES KINDER- UND JUGENDTHEATERS!
"Kinder haben ein Recht auf Kunst und Kultur!" liest man in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. "Doch wenn in Deutschland von Kultur die Rede ist, geht es meist nicht um Kinder. Und wenn von Kindern gesprochen wird, geht es meist nicht um Kultur." (Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik, Universität Hildesheim).
Hamburg führt das Fach „Theater“ als Unterrichtsfach ein. In einigen Bundesländern wird seit Jahren die “Theaterpflicht für Schulen“ diskutiert; von einer „Kulturprämie für Kinder“ statt einer „Abwrackprämie für alte Autos“ war auf einem kulturpolitischen Kongress der Grünen in NRW die Rede; in Norwegen erhält jedes Kind von der ersten bis zur letzten Klasse einen „Kulturellen Schulrucksack“, darin sind Gutscheine für Theater-, Museums-, Tanz- und Opernbesuche – In Düsseldorf, Nürnberg und von Seiten der Landesregierung in NRW gibt es Pilotprojekte zu diesem Thema. In Berlin wird ab sofort das Pilotprojekt GRIPS-FIEBER initiiert, bei dem Sponsoren den Theaterbesuch ALLER ausgewählter Partner-Schulen großzügig und unbürokratisch fördern. Es gibt zahlreiche inspirierende Anregungen und Best-Practice-Beispiele zur Förderung der Theaterkunst für Kinder. Statt einer absurden Diskussion über die Halbierung von Kulturetats brauchen wir verstärkte Bemühungen, Kultur und Bildung zusammenzudenken.
Ein Fach Kulturelle Bildung könnte Kunst-, Musik- und Theaterunterricht zu einer wesentlichen Säule der Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen machen. Selbstverständlich würde damit der „Unterricht am anderen Ort“ massiv befördert, der Besuch von Theatern, Museen und Konzerten als Initialzündung zu einer lebenslangen Liebesbeziehung zur Kultur.
Ein Kultureller Schulrucksack nach dem norwegischen Modell würde für eine Grundversorgung von Kultur von der ersten bis zur letzten Klasse sorgen. Ein Kind, das mindestens 10mal in seiner Schulzeit im Theater, im Museum und im Konzert war, hat mehr als nur kulturelle Kompetenz erworben. Es hat gelernt, die Zeichen der Kunst und die Zeichen der Zeit zu entschlüsseln. Denn auch Zuschauen ist eine Kunst und muss geübt werden! Damit etwas passiert, was Hirnforscher herausgefunden haben, nämlich, dass der in der Zuschaukunst Geübte schon Glücksgefühle ausschüttet, wenn er das Theater betritt, schon vom Theaterfieber ergriffen ist, bevor die erste Szene überhaupt gespielt ist.
Am Welttag des Kinder und Jugendtheaters gilt es, die Kulturpolitik bescheiden darauf hinzuweisen, dass eine abgestimmte Initiative für die Kunstvermittlung und die ästhetische Bildung an unseren Schulen weiter fehlt – trotz zahlreicher gut gemeinter Einzelprojekte. Das größte Abenteuer der Kulturförderung müsste darin bestehen, die professionellen Kinder- und Jugendtheater der Stadt mit ihrem unschätzbaren Erfahrungswissen und ihrer handwerklichen Kompetenz zu „Kulturvermittlern“ auszubauen. Sonst könnte es passieren, dass die Kinder von heute als Entscheidungsträger von morgen aus dem BE eine Shopping-Mal machen und aus der Schaubühne eine Spielhalle. Ca. 20 Prozent der Bevölkerung in Berlin sind Kinder und Jugendliche. Erhalten sie auch 20 Prozent Aufmerksamkeit, 20 Prozent vom Kulturetat?
Am Welttag des Kinder- und Jugendtheater gilt es auch, Eltern, Rektoren, Schulbehörden - und Mathelehrer! – daran zu erinnern, dass es für Schule Aufgaben jenseits von Mathe, Deutsch und Englisch gibt, Aufgaben, die mit Persönlichkeitsbildung durch Kunst und Kultur zu tun haben. Wir brauchen Verbindlichkeit in dieser gemeinsamen Bildungsaufgabe. Die Berliner Schulen müssen in die Lage versetzt werden, regelmäßig und umfassend sich mit Kunst und Kultur auseinandersetzen zu können. Warum nicht – als Einsteig ins Fach „Kulturelle Bildung - eine „Theaterpflicht“ einführen? Ist das weniger sinnvoll als die Pflicht zum Physik-, Biologie- und Sportunterricht?
Kindertheater ist kein süßer Nachtisch, kein Luxus, sondern gehört als Hauptgericht, Vollwertkost und seelisches Nahrungsmittel zur Grundversorgung jedes Kindes, um „innerlich zu wachsen“ (Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie, Göttingen).
Der Verband der Kinderärzte schickt uns zum WELTTAG DES KINDERTHEATER folgende Botschaft:
1. Theater ist gut für eure Gesundheit.
2. Theater wirkt gegen Anregungsarmut und Bildungsverelendung,
3. Theater wirkt ganzheitlich therapeutisch und präventiv.
4. Kinder brauchen Theater wie frische Luft zum Atmen.
Deshalb meinen wir: Alle Kinder sollten regelmäßig an die frische Luft - und sie sollten in den Genuss von Theaterkunst kommen!
Mit dem Projekt „Theater auf Rezept“, bei dem alle Berliner Kinderärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen Kindern einen Vorstellungsbesuch im GRIPS THEATER verschreiben, wenden wir uns an die Familien, und erreichen auch z.B. Migrantenfamilien in Berliner Brennpunkten. Gerade dort wissen die Ärzte genau, wie wichtig hochwertige kulturelle Anregungen für Kinder sind. Die Siemens BKK ist die erste Krankenkasse, die das unterstützt und damit „Kulturheilverfahren“ im Programm hat.
Wir sollten die Kulturelle Bildung nicht allein Coca-Cola und McDonalds überlassen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Zur Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf." Das Dorf sind wir alle! Die Bildungspolitik, die Sozialpolitik, die Kulturpolitik, die Stadtplanung, die kinderfreundlichen Architekten, die Journalisten und viele andere mehr. Eine Fach Kulturelle Bildung und ein Kultureller Schulrucksack würde die Kulturvermittlungsbemühungen erheblich stärken, auch und gerade in der HAUPTSTADT DES KINDER- UND JUGENDTHEATERS!